Ehre für eine Spätberufene

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Seit Jahrzehnten engagiert sich Doris Weber in den Bereichen Leichtathletik und Turnen. Für ihr grosses Engagement erhielt sie den Preis der Sportförderin des Jahres 2018. Die Geehrte ist mehr als nur eine Trainerin.

Eine Frau der grossen Worte ist Doris Weber aus Speicher nicht. Lieber agiert sie im Hintergrund: als Leichtathletiktrainerin, Organisatorin und Ausbildnerin. An der diesjährigen Sportlerehrung stand Weber jedoch für einmal im Mittelpunkt. Regierungsrat Alfred Stricker zeichnete sie zur Sportförderin des Jahres 2018 aus. «Ich habe mich über diese Geste sehr gefreut», sagt Weber. Letztlich sei es eine Wertschätzung für ihre langjährigen Tätigkeiten. Mit diesem Sonderpreis ehrt der Kanton Persönlichkeiten, die sich in besonderem Mass für den Sport einsetzen. Für Weber trifft dies gleich in mehrfacher Hinsicht zu. So gründete sie vor 30 Jahren die Leichtathletik-Gruppe des TV Speicher. Mittlerweilen zählt diese 70 Athletinnen und Athleten. Die Speicherer Leichtathleten konnten wie ihre Konkurrenten in Herisau und Teufen bereits einige Erfolge erzielen. Dazu gehören mehrere Teilnahmen an Schweizer Meisterschaften.

Freude am Sport vermitteln

Noch heute trainiert Weber die Mädchen, Buben und Erwachsenen im Alter zwischen 7 und 35 Jahren. Dabei geht es ihr darum, Werte wie Durchhaltewillen und Ehrlichkeit zu vermitteln. Letztlich wolle sie aber die Freude an der Bewegung weitergeben, sagt Weber. «Wer zu viel Druck verspürt, läuft mit Sand im Getriebe.» Auch die Trainingsplanung mit dem Leiterteam ist Teil ihres Aufgabenbereichs. Der Leichtathletik-Nachwuchs beim TV Speicher soll ganzheitlich ausgebildet werden. Konkret bedeutet dies, dass beispielsweise ein Springer auch Läufe absolvieren muss. Zwar findet ab einem gewissen Alter wie in anderen Sportvereinen eine Spezialisierung statt, ohne dabei allerdings den Blick für andere Disziplinen zu verlieren. Im sportlichen Alltag legt Weber noch auf einen anderen Aspekt Wert. Sie wolle ihre in über drei Jahrzehnten gesammelten Erfahrungen weitergeben. Daher ist sie nicht nur Trainerin, sondern auch Coach der jüngeren Trainerkollegen. Bei Bedarf stehe sie diesen mit Rat und Tat zur Seite, sagt Weber. Nebst ihrem Engagement in der Mittelländer Gemeinde ist die Geehrte seit Jahren im Ausbildungsbereich für Kinder, Jugendliche und Erwachsene tätig. Als J+S-Expertin zeichnet sich Weber etwa für das Sportfach Turnen verantwortlich. Von ihren organisatorischen Fähigkeiten konnte zudem jahrelange der Appenzellische Turnverband profitieren. So war sie unter anderem Vorstandsmitglied und half mehrmals mit, kantonale Turnfeste zu organisieren. Zuletzt war dies 2014 in Appenzell der Fall.

Aktiv als Turnerin und Leichtathletin

In diese ehrenamtlichen Aktivitäten investiert die Sportförderin des Jahres 2018 viel Zeit und Energie. Je nach Saisonstand verbringt sie unzählige Stunden auf Sportplätzen oder in Turnhallen. Über den zeitlichen Aufwand jammern mag Weber allerdings nicht. Vielmehr hebt sie ihre Motivation hervor: «Es reizt mich, mit verschiedenen Menschen etwas auf die Beine zu stellen.» Früher sei es einfacher gewesen, dafür Gleichgesinnte zu finden. Dies habe mit den gestiegenen Ansprüchen in Beruf und Ausbildung zu tun. «Es gibt aber auch heute noch engagierte Leute, gerade unter den Jugendlichen.» Der Einsatz zu Gunsten des Nachwuchses hat für Weber eine Kehrseite: Ihr fehlt die Zeit, um selbst Sport zu treiben. Als «Spätberufene» gehörten früher Leichtathletik und Turnen zu ihren Leidenschaften. Eine typische Allrounderin sei sie gewesen. Nur auf Langstrecken und Hürdenläufe musste Weber aus medizinischen Gründen verzichten.

 

Text: Appenzeller Zeitung
Bild: Erich Brassel