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Vorbei die schönen Tage von Göteborg
Die kantonale Gymnastikgruppe Appenzell hat an der 11. Gymnaestrada in Schweden viel erlebt
Vom 4. bis 10. Juli hat im südschwedischen Göteborg die 11. Gymnaestrada stattgefunden. Rund 60 Turnerinnen und Turner aus dem Appenzellerland, St.Gallen und dem Thurgau nahmen als Kantonale Gymnastikgruppe Appenzell (ATV) an diesem internationalen Grossanlass teil.
Kurt Löffel
Nach rund 80 Stunden Reise mit Car (Herisau - Kiel) und Fähre (Kiel - Göteborg) erreichte die Gruppe am Sonntag, 4. Juli, Göteborg. Nach der Eröffnungsfeier am Sonntagabend hatte sie am Montagmorgen eine Hauptprobe, bei der überraschenderweise die Tribünen praktisch vollbesetzt waren, zu absolvieren. Trotz nicht ganz optimalem Ablauf wurden die Ostschweizer mit grossem Applaus bedacht.
Viel Lob geerntet
Die Zeit bis zur ersten Vorführung am Mittwoch überbrückte die ATV-Delegation in den acht Messehallen, wo über 260 Präsentationen aus 40 Ländern geboten wurden. Zwölf Länderabende gaben viel zu erzählen, vor allem der skandinavische und der Schweizerabend. Ein unglaublicher Reichtum an Ideen, Farben und Formen riss das Publikum immer wieder zu Begeisterungsstürmen mit. Für die beiden Vorführungen konnte die Gruppe langanhaltenden, tosenden Applaus und viel Lob ernten. Die spontanen Komplimente von offizieller Seite wie auch von unbekannten Zuschauern bereiteten viel Freude. Da und dort regte sich Stolz, zu dieser Gruppe zu gehören. Ein herzlicher Dank gebührt sicher dem fantastischen Leiterteam, in dem sich Fachkompetenz, Einfühlsamkeit und Humor in höchstem Masse vereinen.
Unvergesslicher Aufenthalt
Das Gymnaestrada-Komitee hatte keine Mühen für einen unvergesslichen Aufenthalt gescheut. Das begann bereits beim reichhaltigen Frühstück, setzte sich beim Mittagessen - 119 000 Mahlzeiten in sechs Tagen - fort und erschöpfte sich auch nicht im Festzentrum namens Heden. Hier konnten viele kulinarische Köstlichkeiten genossen werden, eine Grossleinwand übertrug pausenlos die turnerischen Höhepunkte des Tages, und an mindestens sechs Plätzen lud Musik zum Tanz. Nach Torschluss im Heden strömten die farbigen Scharen in die nahegelegene Avenyn, Göteborgs Prachtstrasse, wo sich Discos, Musiklokale, Kaffees und Restaurants aneinander reihen. Mit der Teilnehmerkarte konnten die öffentlichen Verkehrsmittel gratis benutzt werden.
Höhepunkte
Die Grossraumvorführungen bildeten einen weiteren Höhepunkt: auf einer Fläche von Fuss- ballfeldgrösse präsentierten sich mehrere Nationen mit sehr grossen Gruppen. Auch hier stellte die Schweiz mit 1600 Turnenden das grösste Kontingent. Die halbstündige Vorführung riss die beinahe volle Gamla Ullevi-Stadiontribüne (Fassungsvermögen 5200 Zuschauer) zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Als Belohnung für die packende Vorführung wurde die Schlusssequenz, wo die Schweiz in ihren Umrissen dargestellt wurde, für die offizielle Abschlussfeier ausgewählt. Der Galaabend des Internationalen Turnerbundes (FIG) ist für einen Gymnaestradafan ein absolutes Muss. In einer eineinhalbstündigen Show präsentierten sich die teilnehmenden Nationen von ihrer besten Seite. Die ergreifend schönen Bilder unter dem Motto «Changes» (Veränderungen/vier Jahreszeiten) berührten das Publikum. Starke Gefühle von Einheit und Harmonie waren fast greifbar zu spüren. Leuchtende Augen und entspannte Gesichter zeugten von einer tiefen Zufriedenheit und einem unvergesslichen Erlebnis.
Tscheinsch?
Im Verlaufe der Woche wurde eine typische Eigenheit jeder Gymnaestrada immer wichtiger: das «Tscheinschen», das Austauschen von Trainern, T-Shirts, Mützen, Pins und vielerlei Accessoires. Japaner und Skandinavierinnen, Afrikanerinnen und Schweizer, Brasilianer und Europäerinnen -überall fanden sich farbige Grüppchen im wahrsten Wortsinn zusammen und handelten, was das Zeug hielt. Unzählige schöne Begegnungen fanden so statt. Das ist wahre Völkerverständigung über alle Sprach- und Kulturgrenzen hinweg. Und alles, was es dazu braucht, ist an der Gymnaestrada ein einziges Wort: «Tscheinsch?» Nach so vielen schönen Momenten nahm sich die Gruppe am Samstag morgen Zeit, sich daran zu erinnern, wer all das überhaupt ermöglicht hatte. In einer kleinen Feier bedankte sie sich beim initiativen Leiterteam Doris Weber (Speicher, Gesamtleitung/Administration), Elsbeth Zigerlig (Herisau; sämtliche Bekleidungen), Urs Steiner (Waldstatt; Finanzen/Reise) und last but not least Irene und Beat Schluep (Herisau) und Andrea Buschor (Lüchingen), die das fantastische Programm erarbeitet hatten. Für die Einrichtung der Internet-Homepage ging ein Dank an Daniel Meuli (Herisau). Stefan Weber (Speicher) und Kurt Löffel (Herisau) waren für die Internet-Berichterstattung besorgt. Ein spezieller Dank gebührt dem Appenzeller Medienhaus für die Unterstützung und die Infrastruktur, was den Gymnaestrada-Internetauftritt erst ermöglichte.
Abschied und Neubeginn?
Im Ullevi-Stadion fand am Samstagnachmittag die Schlussfeier statt. Mit vielen beeindruckenden Vorführungen wurde die 11. Gymnaestrada abgeschlossen und die Flagge an Lissabon, den nächsten Organisator übergeben. Sengend heisse Sonne und tiefblauer Himmel trugen zur guten Atmosphäre bei. Ausgelassen tanzend verabschiedeten sich die rund 30 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Göteborg. Am Sonntag blieb vor dem Auslaufen der Fähre noch Zeit für einen kurzen Ausflug auf die Schäreninsel Styrsö. Danach wurde auf der Überfahrt nach Kiel ausgelassen getanzt und teilweise sehr tief geschlafen. Mit dem Car ging es am Montag morgen von Kiel aus weiter. Auch der Ausfall der Klimaanlage tat der guten Laune keinen Abbruch. Müde und verschwitzt, aber sehr zufrieden erreichte die Gruppe in den frühen Morgenstunden des Dienstags die Heimat. Die 11. Gymnaestrada ist vorbei. Ein einmaliges Erlebnis hat einen schönen Abschluss gefunden. Keine Fotografie, keine Videoaufnahme und keine noch so treffenden Worte können die unvergesslichen Augenblicke zurückbringen. Aber sie können an Begegnungen und Situationen, an Personen und Ideen erinnern. In dieser Woche waren Werte wie Gemeinsamkeit, Harmonie, Respekt, Bewegungs- und Lebensfreude prägend. Werden mit dem Ver- oder Entsorgen der Gymnaestrada-Teilnehmerkarte auch deren ideelle Werte beiseite gelegt, oder kann es gelingen, einen Teil davon in den Alltag hinüberzuretten? Die 12. Gymnaestrada findet 2003 in Lissabon statt. Unter folgenden Adressen sind im Internet weitere Informationen und viele Fotos zu finden: www.appon.ch/aktuell und www.app-tv.ch/gymnaestrada.
Aus dem Tagblatt vom 15.07.1999 © St.Galler Tagblatt |